Technische und ökologische Optimierungen des Wasserkraftwerkes Diemelmühle

  1. 1. Vorbemerkungen

Der Standort Diemelmühle in der barocken Kleinstadt Bad Karlshafen ist eng mit der Stadt und deren Geschichte verbunden. Die Stadt Bad Karlshafen, an der die Bundesländer Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammenkommen, wurde 1699 von Landgraf Carl von Hessen-Kassel – dem Namensgeber der Stadt – als Manufaktur- und Handelsstadt gegründet. Die seinerzeit die Weser aufwärts fahrenden Lastkähne mussten auf ihrer Fahrt nach Kassel in dem zu Hannover gehörenden Münden (heute Niedersachsen) ihre Waren verzollen.

Der Landgraf plante deshalb, einen Kanal von Bad Karlshafen in das 50 km entfernte Kassel zu bauen, um den Zoll in Hann. Münden zu umgehen. Er ließ einen Hafen als Mitte und Zentrum bauen. Hierzu musste die Diemel, die in Bad Karlshafen in die Weser mündet, aufgestaut werden.

Im Jahr 1710 ließ der Landgraf die Diemelmühle errichten, um den für den Hafenbetrieb erzeugten Stau auch energetisch zu nutzen. Das Kanalbauprojekt wurde aus Kostengründen nach einigen Jahren eingestellt, nachdem ca. 20 km Kanal gebaut worden waren, von denen noch heute Spuren in der Landschaft erkennbar sind. Nachdem der Hafen über Jahrzehnte erfolgreich genutzt werden konnte, wurde seine Verbindung zur Weser gegen 1930 verschlossen. Seit Mai 2019 ist nach Neueinbau einer Schleusenkammer und Sanierung der Bestandsschleuse der Hafen wieder in Betrieb als kleine Marina im Zuge einer umfassenden Stadterneuerung der historischen Stadtmitte.

Die energetische Nutzung der aufgestauten Diemel gibt es bis heute. Seit 1833 ist die Diemelmühle im Besitz der Familie Malzfeldt. Im Jahr 1905 begann die Stromerzeugung der Diemelmühle mit Inbetriebnahme der ersten Francis-Turbine.

Ein Feuer im Jahr 1947 zerstörte das Mühlengebäude bis auf die Grundmauern. An die Stelle des ehemaligen Mühlengebäudes wurde das heutige Kraftwerksgebäude errichtet. Seit 1957 wird der erzeugte elektrische Strom in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Ernst-Günter Malzfeldt (1926–2013), der Vater des Autors, hatte schon frühzeitig erkannt, wie wichtig einmal erneuerbare Energie sein wird, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Er baute mit Unterstützung seiner Ehefrau Edeltraud das Wasserkraftwerk zu einem modernen und weitgehend automatischen Betrieb aus. Das Wasserkraftwerk wird betrieben von zwei Francis-Turbinen mit einer maximalen Leistung von 205 kW (125 kW und 80 kW), einem maximalen Durchfluss von 8,5 m3/s (5 m3/s und 3,5 m3/s) und einem maximalen Gefälle von 3,5 m. Das Wasserkraftwerk liegt nur ca. 200 m von der Mündung der Diemel in die Weser entfernt. Heute versorgt es rund 400 (3-Personen-)Haushalte mit sauberer Energie.

In dieser Dekade wurden mehrere Maßnahmen ergriffen, um den Standort Diemelmühle technisch und ökologisch zu optimieren. Hierzu wurde zunächst eine Fischaufstiegsanlage errichtet, um der Fischpopulation der Weser den Aufstieg in die 110 km lange Diemel zu ermöglichen. Anschließend wurde am Wehr eine Wasserkraftschnecke errichtet mit dem Hauptziel der energetischen Nutzung des Restwassers der Diemel. Im Jahr 2018 wurde das Wehr saniert, um die Wasserversorgung des Kraftwerkes und des historischen Hafens der Stadt langfristig sicherzustellen. Die Projekte Fischaufstiegsanlage und Wasserkraftschnecke wurden fachlich von dem Ingenieurbüro Herrendörfer, Bad Salzuflen, und die Wehrsanierung von der Hydro-Energie Roth GmbH, Karlsruhe, betreut.

Über die Erfahrungen bei der Durchführung dieser Projekte wird in der Ausgabe 4 dieses Magazins berichtet.

Für den ein­wand­freien Betrieb der Seite wer­den Sitzungs-​Cookies auf Ihrem Rech­ner gespe­ichert. Sie wer­den automa­tisch bei Sitzungsende gelöscht. Wenn diese Cook­ies abgelehnt wer­den, funk­tion­iert die Seite eventuell nicht mehr richtig.
Wir set­zen keine Tracking-​Cookies!