Lkw-Fuhrpark: Truck-Tablet auch zur Unfallvermeidung

Dr. Jür­gen Staus­berg, Weinheim

Anlässlich der diesjährigen 23. Mitteldeutschen Müllerei-Fachtagung in Burgstädt/Sachsen zeigte die Satlog GmbH, Weinheim, auf ihrem Messestand neu integrierte Sicherheits-Features, die das Fahrerleben erleichtern und den Chef ruhiger schlafen lassen: eine Seitenkamera für den toten Winkel beim Abbiegen sowie ein Reifendruck-Kontrollsystem.

Höhere Sicher­heit beim Abbiegen

15 18 SATLOG 01Wenn man im Internet die Stichworte Abbiegeunfälle und toter Winkel bei Lkw recherchiert, wird sehr schnell die Brisanz des Themas deutlich. Bisweilen wurden Firmenchefs auf einen schweren Abbiegeunfall mit einem ihrer Fahrzeuge erst dadurch aufmerksam, dass dazu ein entsprechendes Video im Netz kursierte.

Die Allianz zitiert die Bundesanstalt für Straßenwesen und weist darauf hin, dass nahezu 700 Radfahrer und Fußgänger pro Jahr bei Unfällen getötet oder verletzt werden, die auf den toten Winkel bei rechts abbiegenden Lkw zurückzuführen sind [1]. Obwohl die Fahrzeuge mit zahlreichen Außenspiegeln ausgerüstet sind, kann der tote Winkel lediglich reduziert, nicht aber vollkommen ausgeschlossen werden. Ausführlich wird diese Problematik in der Broschüre „Toter Winkel bei Lkw, Bus und Pkw“ des ADAC dargestellt, die auch online abrufbar ist [2].

Abb. 1: Darstellung des toten Winkels bei einem Lkw, [br]Quelle: Fotolia (mit Modifikationen)Satlog zeigte in Burgstädt seine neue Integrationslösung aus Truck-Tablet, Rückfahr- und Seitenkamera, die das Thema toter Winkel beim Rechtsabbiegen adressiert. Der Fahrer bekommt auf dem in das Fahrzeugcockpit integrierten Bildschirm seine Aufträge angezeigt und navigiert zu den jeweiligen Zielen. Beim Betätigen des rechten Blinkers wechselt das Navigationsdisplay automatisch zum Kamerabild.

Ein spezielles Steuergerät übernimmt die Schaltlogik. Die Kamera, die an der rechten Seite den toten Winkel erfasst, wird von einem Hersteller produziert, der auch die Erstausrüstung von Auflieger- und Zugfahrzeugherstellern liefert. Sie wird mit einem Magnetfuß befestigt, sodass die Nachrüstung schnell und einfach erfolgen kann.

Ist der Abbiegevorgang beendet, erscheint automatisch wieder der Navigationsbildschirm. Beim Kunden angekommen, wird mit dem Einlegen des Rückwärtsganges bei Anhängerbetrieb die Kamera des Anhängers und bei Solobetrieb die Rückfahrkamera des Motorwagens auf das Display geschaltet.

Abb. 2: SeitenkameraDas Thema Rechtsabbiegeunfälle wird aktuell vom Bundesverkehrsministerium intensiv beleuchtet. Europaweite Regelungen sind aber nicht so schnell umzusetzen. Einzelinitiativen sind daher gefragt [3]. Ebenso wie die anderen Telematikkomponenten werden auch die Kameralösungen von Satlog über das Programm „De-minimis“ des Bundesamtes für Güterverkehr gefördert.15 18 SATLOG 03 kl

Den Reifendruck immer im Blick

Sicherheit beim Abbiegen, aber auch während der Fahrt soll eine weitere von Satlog integrierte Komponente erreichen: das „ContiPressureCheck™“-Reifendruck-Kontrollsystem von Continental. Ziel ist, dem Fahrer und der Dispo morgens bei der Abfahrt das gute Gefühl zu geben, dass der Reifendruck des Lkw okay ist.

Einen wichtigen Impuls für die Integration dieser neuen Komponente gaben die folgenden Erkenntnisse von Continental: „Bei Versuchen auf unserer Teststrecke konnten wir aufzeigen, dass bereits ein um 2 bar zu niedriger Reifendruck bei einem voll beladenen Lkw den Kraftstoffverbrauch um 0,7 l je 100 km ansteigen lässt. Nach unseren Auswertungen ist aktuell ein Großteil der Lkw auf der Straße mit durchschnittlich 12% Minderdruck unterwegs.“

Eine Reifenpanne auf der Autobahn kostet schnell zwischen 1000 und 2000 Euro, ganz zu schweigen von der Ausfallzeit und dem Unfallrisiko für andere Verkehrsteilnehmer. Solche Pannen werden vielfach durch hohe Reifentemperaturen als Folge von dauerhaftem Minderdruck verursacht.

Aber nicht nur das Schreckensszenario Unfall durch Reifenschaden, sondern auch das alltägliche Geschäft kann die Wirtschaftlichkeit stark beeinflussen: Bohrt sich etwa beim Abladen ein Nagel in den inneren Zwillingsreifen, woraufhin dieser plötzlich unbemerkt einen Druckverlust erleidet, so wird die Last auf dem Außenreifen zu groß, was zu zwei irreparabel beschädigten Reifen führen kann.

„Die Vorteile der Reifendruckinformation im Nutzfahrzeug liegen klar auf der Hand. Schon durch ein oder zwei verhinderte Schadensfälle hat sich das Kontrollsystem amortisiert“, so Silke Meier, Fleet Key Account Manager CPC & Solutions bei Continental.

Diese Kriterien waren der Anlass für Satlog, in die komplexe Integrationslösung einzusteigen. Nach entsprechender Analyse des Marktes für Reifendrucksysteme entschied sich das Unternehmen aufgrund der sehr guten technischen Unterstützung und der hohen Zuverlässigkeit des Systems für Continental.

Was zeich­net die Satlog-​Integration aus?

15 18 SATLOG 05 klHier wird auf das Continental-eigene Display aus der Zubehörliste verzichtet und stattdessen das Satlog-Truck-Tablet als Anzeigeeinheit verwendet. Damit hat der Fahrer nur einen einzigen zusätzlichen Monitor, in dem alle Funktionen integriert sind: Rückfahrkamera, Navigation, Auftragsmanagement, elektronischer Lieferschein, Schadensdokumentation, Temperaturmanagement und Reifenkontrollsystem. Die serielle Schnittstelle der speziellen Tablet-Halterung ist direkt mit der Telematikeinheit verbunden, die wiederum die CAN-Daten aus dem Reifendruck-Kontrollsystem von Continental interpretiert.

Auf dem Display werden Temperatur und Reifendruck in grafischer Anordnung dargestellt. Wenn ein vorher definierterSchwellenwert verletzt wird, erfolgen die Aufzeichnung dieser Grenzwertverletzung sowie ein Alarm im 15-Sekunden-Takt.

Der Fahrer sieht durch die Integration des FMS-Standards auch seinen durchschnittlichen Dieselverbrauch pro 100 km und damit den Erfolg, wenn er ohne Minderdruck fährt. Satlog hat den Solldruck auch auf dem Server gespeichert, sodass die Disposition ebenfalls von Abweichungen erfährt. Damit ist auch die Basis für zusätzliche Fahrerprämien gelegt.

Alarm bei Reifendienst

Viele Fuhrunternehmen lassen ihre Flotte durch spezialisierte Reifendienste betreuen. Dank der Satlog-Portallösung kann der Flottenbesitzer auch eine spezielle Informationsseite an den Reifendienst freigeben. Das System ist so konfigurierbar, dass der Reifendienst automatisch per Mail benachrichtigt wird, wenn z. B. bei einem Lkw ein schleichender Druckverlust erfolgt; somit kann der Einsatz des Technikers nach Bedarf gesteuert werden. Auch das Reifendruck-Kontrollsystem wird über „De-minimis“ gefördert.

Mit der Integration dieser Sicherheits-Features will Satlog das Leben der Kraftfahrer erleichtern. Gespräche mit Fahrern auf Messen sowie die Diskussionen mit Geschäftsführern der Müllereibranche am Messestand in Burgstädt haben bestätigt, dass dieser Ansatz richtig und wichtig ist.

Quellen

1. https://​www​.allianzdeutsch​land​.de/​s​c​h​o​n​-​g​e​w​u​s​s​t​-​d​e​r​-​t​o​t​e​-​w​i​n​k​e​l​/​i​d​_​79714556 /​index
2. https://​www​.adac​.de/​_​m​m​m​/​p​d​f​/​r​v​_​2015​_​t​o​t​e​r​_​w​i​n​k​e​l​_​1215​_​244315​.​p​d​f
3. https://​www​.der​westen​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​a​l​d​i​-​u​n​d​-​e​d​e​k​a​-​s​e​t​z​e​n​-​a​b​b​i​e​g​e​-​a​s​s​i​s​t​e​n​t​e​n​-​f​u​e​r​-​L​k​w​-​e​i​n​-​i​d​214816941​.​h​t​m​l
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