Mühle + Mischfutter

titel mu infoFachzeitschrift für Getreideverarbeitung und Tiernahrungs-Produktion, Verfahrenstechnik im Schüttgut-, Lebensmittel- und Non-Food-Bereich

Getreide-Jahrbuch

GJB TitelDas unentbehrliche Jahrbuch für die tägliche Praxis der gesamten Getreidewirtschaft

Mühlen- und Mischfutter-Jahrbuch

MJB Titel

Das technische Jahrbuch für die gesamte Getreideverarbeitung und Kraftfutter-Herstellung

Der Mühlstein

titel mst

Periodikum für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung

Getreide,
Mehl und Brot

titel gmbr infoOrgan der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V.

Die Fachzeitschrift für Getreide, Mehl, Brot und Backwaren in Forschung und Technik

Wassertriebwerk

titel wtw infoVerbandsorgan des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke und der Arbeitsgemeinschaften Wasserkraftwerke der Bundesländer

Wasserkraft & Energie

titel we infoInternationales Quartalsmagazin für Erneuerbare Energien

140 Jahrelogodm

An der Schwelle des Überganges zur modernen Müllerei ging im Jahre 1863 der Leipziger Verlagskaufmann Gustav Moritz Schäfer das Wagnis ein, eine wöchentlich erscheinende Zeitschrift für Müllerei und Mühlenbau unter dem Titel DIE MÜHLE herauszubringen. Walzenstuhl, Grießputzmaschine und Plansichter, Wasserturbine, Dampfmaschine, Gas- und Elektromotor standen damals gewissermaßen in den Startlöchern und harrten darauf, auch in Mittel- und Kleinmühlen die altväterliche Technik abzulösen und einen wirtschaftlichen kontinuierlichen Produktionsablauf der Vermahlung zu ermöglichen. Die neue Zeitschrift DIE MÜHLE (die später den programmatischen Untertitel „Wochenschrift zur Förderung des Fortschritts in Müllerei und Mühlenbau“ erhielt) sollte für den Erneuerungsprozess einen nicht unwesentlichen Beitrag als Ideenvermittler Ieisten.

Daneben verlangten die wirtschaftlichen Probleme der Müllerei dringend nach einer überregionalen Fachzeitschrift. Auch hier eine Umwälzung: Die ursprünglich rein regionale Strukturierung der Binnenmühlen hinsichtlich Getreideversorgung und Mehlabsatz war als Folge des rasanten Ausbaues des Eisenbahnnetzes aufgebrochen worden. Rohstoffe und Mahlprodukte konnten nun über weite Strecken transportiert werden; das erforderte eine ständige Information über Getreide-, Mehl- und Nachproduktenpreise sowie über Frachtraten und Sondertarife. All das und noch einiges mehr sollte die neue Zeitschrift vermitteln.

Die erste Ausgabe der MÜHLE erschien zur Einführung vorfristig am 3. Dezember 1863 und trägt die Heft-Nr. 1/1864, doch das Interesse der angesprochenen Betriebe hielt sich in den ersten Jahren in Grenzen. Anzeigen gab es kaum, und die Abonnementseinnahmen deckten bei weitem nicht die Herstellungskosten. Dem besonderen Einsatz des Verlegers Moritz Schäfer (der mütterlicherseits aus einer Mühle in der Nähe von Dresden stammte) ist es zu danken, dass die verlustbringende Zeitschrift nicht eingestellt, sondern konsequent ausgebaut wurde.

140 Jahre DIE MÜHLE – das sind auch 140 Jahre Familientradition in vier Generationen. Denn von der ersten Ausgabe an war für die technische und teilweise auch redaktionelle Betreuung der neuen Zeitschrift ein junger Verlagsangestellter zuständig: Wilhelm Kunis, dem Anfang 1864 nach internen Unstimmigkeiten mit Textbeiträge liefernden Ingenieuren auch die redaktionelle Leitung anvertraut wurde. Allerdings war er noch nicht volljährig, weshalb sich im Impressum der kuriose Hinweis findet: „Redigirt unter Verantwortlichkeit der Verlagshandlung“. (Wilhelm Kunis volontierte dann einige Zeit in einer Leipziger Dampfmühle und übernahm 1875 – nachdem zwischendurch die Redaktion nominell dem späteren Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Müller überlassen worden war – offiziell die Schriftleitung.)

In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens setzte sich die MÜHLE nachdrücklich für die Einrichtung von Müllertreffen mit Erfahrungsaustausch über wirtschaftliche Fragen und die technischen Neuentwicklungen ein, trieb die Gründung von Mühlenverbänden voran (Moritz Schäfer war Mitbegründer und Kassierer des Sächsischen Mühlenverbandes) und gab bereits 1869 den Anstoß für eine Müllereimaschinenausstellung mit internationaler Beteiligung in einer Zelthalle auf dem Leipziger Marienplatz. Über all das wurde ausführlich berichtet. Die MÜHLE wurde offizielles Organ der Müllerei-Berufsgenossenschaft und zeitweise des Verbandes Deutscher Müller, aber wegen häufigen Gerangels um Abdruckraum und der Versuche, auf Textbeiträge und Anzeigenaufnahme Einfluss zu nehmen, wurde der Anzeigenteil als Beilage „Deutscher Mühlen-Anzeiger“ ausgegliedert und der Textteil in einen allgemeinen und einen Verbands-Teil (später nochmals aufgesplittet in ein 1. und 2. Blatt!) aufgeteilt.

Anfang 1888 verstarb der Gründer der MÜHLE, Moritz Schäfer, im 62. Lebensjahr; Verlag und Zeitschrift wurden in seinem Geiste von seinen langjährigen Mitarbeitern weitergeführt. Und Anfang 1907 übernahm Kurt Kunis, der seit 1892 in der Redaktion mitarbeitete, die presserechtliche Verantwortung.

Nachdem 1898 und 1899 zwei weitere deutsche Mühlenverbände gegründet worden waren, erfolgte im Jahre 1904 die endgültige Lösung vom Verband Deutscher Müller und die Umgestaltung der MÜHLE zu einem unparteiischen und unabhängigen Fachblatt, das den unterschiedlichsten Meinungen Raum geben konnte. Die Zustimmung der Leser spiegelt sich in den Auflagenzahlen wider, nämlich 1905: 6537, 1907: 8398, 1909: 9053 und schließlich 1913: 10196 Abonnements wöchentlich. Das Format der Zeitschrift war inzwischen zweimal vergrößert, der Titelschriftzug „modernisiert“ worden. Mit über 600 Textseiten im Jahr und mehr als 1800 Anzeigenseiten hatte die MÜHLE nach fünf Jahrzehnten ihren Platz in der Fachwelt gefestigt.

Kurt Kunis wurde bereits 1928 aus seinem Schaffen abberufen (sein Vater Wilhelm überlebte ihn bis 1933), und die Nachfolge in Redaktion und Verlag trat Hans Kunis an, der seit 1924 in der Redaktion mitarbeitete; er sollte die Entwicklung der MÜHLE und der Verlagsabteilung Getreide- und Mühlenliteratur in den nächsten Jahrzehnten wesentlich bestimmen. So wurde 1931 das monatliche Beiblatt „Das Mühlenlaboratorium“ gegründet und 1933 Dr.-Ing. Otto Haltmeier in Frankfurt am Main (Dozent für Müllerei an der TH Darmstadt) zum technisch-wissenschaftlichen Schriftleiter berufen. Weitere Redaktionsmitglieder waren Müllermeister Otto Kettner und Dr. jur. W. Laute in Leipzig sowie Ing. Leo Hopf in Stuttgart. Die Arbeitsbedingungen im nationalsozialistischen Deutschland waren schwierig, sofern man nicht auf der „braunen“ Linie mitschwimmen wollte, und erforderten von Hans Kunis, der sich von der NS-Partei distanzierte, äußerst vorsichtiges Taktieren. Beargwöhnt wurden vor allem die westlichen und östlichen Auslandsbeziehungen und die Verbindungen zu nicht genehmen Wissenschaftlern im Inland. Bis März 1943 konnte die MÜHLE wöchentlich erscheinen, wenn auch mit reduziertem Umfang, von April 1943 an musste sie sich zwangsweise mit anderen Zeitschriften an einer Gemeinschaftsausgabe unter dem Titel „Die Deutsche Müllerei“ beteiligen, die zunächst 14tägig und ab Oktober 1944 monatlich herauskam. Auch „Das Mühlenlaboratorium“ musste 1943 wegen Papiermangel eingestellt werden. Ein infernalischer Bombenangriff vernichtete am 3. Dezember 1943 einen Großteil der Leipziger Innenstadt und auch das Verlagsgebäude mit Redaktions- und Archivunterlagen sowie Verlagsbeständen. An Ausweichstellen wurde der Betrieb behelfsmäßig weitergeführt, bis im Frühjahr 1945 das Aus auch für die Gemeinschaftsausgabe kam.

Leipzig war Ende April 1945 von amerikanischen Truppen besetzt worden (deren Presseoffiziere für politisch unbelastete Verlage eine baldige Wiederaufnahme der Produktion in Aussicht stellten), wurde dann aber zusammen mit weiteren Teilen Sachsens im „Austausch“ gegen Westberlin der sowjetischen Besatzungsmacht abgetreten. Deren Verlagspolitik war grundlegend anders. Eine Veröffentlichungslizenz für die MÜHLE wurde zwar mehrmals in Aussicht gestellt, aber niemals erteilt, und selbst für kleinste Drucksachen, Broschüren, „Müllerkalender“ u. dgl. mussten mühsam Einzelgenehmigungen eingeholt werden. Deshalb wurde beschlossen, die MÜHLE und den Buchverlag nach Westdeutschland zu verlegen. Das war ein schwieriges Unterfangen. „Interzonenverkehr“ von Ost nach West gab es nur in sehr eingeschränktem Maße, und eine offizielle Verlagerungs- und Ausreisegenehmigung war schon damals praktisch nicht zu erhalten. Hinzu kam, dass ein Stuttgarter Verlag mit einer Zeitschrift „Die Müllerei“ das charakteristische Erscheinungsbild der MÜHLE (Großformat, chamoisfarbener Umschlag) und das wöchentliche Erscheinen nachgeahmt sowie zwei Schriftleiter übernommen hatte, so dass im Fach der Eindruck entstanden war, es handele sich um die West-Ausgabe der MÜHLE. Außerdem gab es zwei gut eingeführte bayerische Mühlenfachblätter und eine kleine Zeitschrift im Westfälischen. Da die zu große Anzahl der Fachzeitschriften von Lesern und Inserenten gleicherweise beanstandet wurde, musste die MÜHLE den Markt bereinigen, wenn sie in Westdeutschland eine Chance haben wollte. Ein glücklicher Umstand war, dass der Bayerische Landwirtschafts-Verlag sich im Rahmen einer Umstrukturierung von der „Mühlen-Zeitung“ trennen wollte und auch die Zeitschrift „Der Müller“ in Halle/Westf. zum Verkauf stand. Auf dieser Basis konnte der Neustart der MÜHLE in Angriff genommen werden.

Als Verlagsort wurde Detmold gewählt, eine Druckerei leistete Hilfestellung, und so konnten im September 1950 die ersten (noch etwas provisorisch anmutenden) neuen Hefte ausgeliefert werden. Hans Kunis übersiedelte 1951 mit Familie (damals illegal!) nach Detmold, während sein Sohn Jochen Kunis bereits 1950 über Berlin halb-legal ausgereist war (daher auch regelmäßig die Leipziger Messe besuchen konnte) und die Vertragsverhandlungen und Vorarbeiten für das Neuerscheinen geführt hatte. Redaktion und Verlag hausten kostensparend in winzigen Räumen, um alle verfügbaren Mittel in die Zeitschriften- und Buchproduktion stecken zu können. Unter Verzicht auf ein Wiederaufleben der Beilage „Das Mühlenlaboratorium“ kam ab Januar 1951 die wissenschaftliche Monatsschrift „Getreide und Mehl“, Organ der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung in Detmold, unter der Schriftleitung von Prof. Dr. P. F. Pelshenke als monatliches Beiblatt zur MÜHLE. Wenig später stießen Dr. jur. W. Laute (der nach Bonn übersiedelt war) und Dr.-Ing. O. Haltmeier in Frankfurt wieder zur MÜHLE, so dass zusammen mit Ing. Walter Hachmann der Redaktionsstab komplett war. Es folgte dann 1952 noch die Eingliederung der von Berat.-Ing. W. Weicker begründeten Monatsschrift „Das Wassertriebwerk“ als Beiblatt in die MÜHLE unter Verzicht auf die bisherige Rubrik Wasserwirtschaft – Wasserrecht.

Die monatlichen Beiblätter im Format DIN A4 wirkten in der damals im Großformat DIN B4 erscheinenden MÜHLE etwas „verloren“, deshalb erfolgte nach und nach eine Umstellung auf halbes MÜHLE-Format (= DIN B5), und in diesem Format erschienen in den fünfziger und sechziger Jahren auch einige Fachbuch-Vorabdrucke zum Herausnehmen, nämlich die „Fachkunde für Müller“ von J. Flechsig, die „Getreide- und Mehluntersuchung“ von Dr. O. Eckardt und die 100-Jahr-Reihe „Ergebnisse und Probleme der Getreideforschung“ von Dr. W. Schäfer (die in der Buchausgabe den Titel „Brot in unserer Zeit“ trägt). Ein 1962 von Prof. Dr. M. Rohrlich begründetes wissenschaftliches Referateblatt wurde ebenfalls in dem halben Format beigeheftet und „Das Wassertriebwerk“ ab 1969 darauf umgestellt. Eine weitere Veröffentlichung in dieser Art war „The Feed Industry in Oversea Countries“ von Dr. J. Hertrampf, während das vierteljährliche Periodikum für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung „Der Mühlstein“ inzwischen zusammen mit der aktuellen Formatänderung der MÜHLE auf DIN A5 umgestellt worden ist.

Wesentlich verbessert wurde in den letzten Jahrzehnten auch die äußere Aufmachung der MÜHLE. Das aus den vierziger und fünfziger Jahren bekannte, charakteristische chamois Umschlagpapier wurde 1961 zunächst durch ein chamois Kunstdruckpapier abgelöst, das 1975 durch weißes Kunstdruckpapier ersetzt wurde; im Innenteil musste das mehr oder weniger leicht holzhaltige Papier 1980 schneeweißem Offsetpapier weichen, nachdem 1978 die Herstellung von Buchdruck (mit Bleisatz) auf Offsetdruck (mit Fotosatz) umgestellt worden war. Heute erfolgt der Seitenaufbau computerunterstützt am Bildschirm. Der Titelschriftzug machte ebenfalls eine Reihe von Wandlungen durch, wobei Modeströmungen (Jugendstil, neue Sachlichkeit) nicht ganz ohne Einfluss blieben.

Eine kuriose Episode aus der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre soll hier nicht unerwähnt bleiben. Da die staatlichen Verlage der damaligen DDR es nicht schafften, eine Fachzeitschrift für die Mühlenwirtschaft herauszubringen und die Abonnementslieferung der MÜHLE in die DDR nur in wenigen Fällen möglich war, wurde 1956 ein Abkommen getroffen, wonach in einer zur Lieferung in die DDR bestimmten Teilauflage der MÜHLE der Wirtschaftsteil durch von dem ostberliner Verlag Die Wirtschaft beigesteuerte Wechselseiten ausgetauscht wurde. Das Echo in der ostdeutschen Fachwelt war beachtlich: Innerhalb weniger Wochen erreichte die in Detmold gedruckte DDR-Ausgabe knapp 2000 Exemplare wöchentlich, die vom Verlag Moritz Schäfer auf Jahre hinaus vorausfinanziert werden mussten, weil im Gegenzug keine Zahlung erfolgte, sondern der Gegenwert auf einem Sperrkonto gesammelt wurde, das für die Produktion von Fachbüchern in ostdeutschen grafischen Betrieben eingesetzt werden konnte. Für jede wöchentliche MÜHLE-Lieferung mussten bei der Landesregierung Warenbegleitscheine beantragt werden, und als die Genehmigungen wegen Schwierigkeiten im innerdeutschen Handel sich mehrmals verzögerten, wurde der Vertrag vom ostdeutschen Partner aufgekündigt und die Herstellung der DDR-Ausgabe im April 1957 bereits wieder eingestellt. (Der Rückfluß der Gegenwerte zog sich dann bis 1960 hin.)

In den sechziger und siebziger Jahren fand in Redaktion und Verlag der MÜHLE der nächste Generationenwechsel statt. Kurt Klaus Kunis, seit 1962 in der Redaktion tätig, übernahm 1968 die Hauptschriftleitung, und nach dem Tod des kaufmännischen Gesellschafters Karl Lieberwirth 1966 begann eine Umstrukturierung des Verlages, in deren Verlauf nach dem Ableben von Hans Kunis 1976 die bisherigen Prokuristen Jochen Kunis und Klaus Kunis geschäftsführende Verlagsgesellschafter wurden.

Eine weitere Straffung der Medienlandschaft erfolgte ab 1981, als die MÜHLE die im 78. Jahrgang stehende „Deutsche Müller-Zeitung DMZ“ {minimodal}DMZ{/minimodal}vom Bayerischen Müllerbund in München übernahm und einige Jahre später auch den österreichischen „Mühlen-Markt“ sowie den schweizerischen „Mühlen-Anzeiger“ integrierte und damit eine besondere Verantwortung als unabhängiges Sprachrohr für die gesamte Mühlenwirtschaft Mitteleuropas auf sie zukam. Dank sehr guter Beziehungen zu sämtlichen Organisationen und Institutionen des Fachgebietes ist sie dieser Aufgabe bis zum heutigen Tage gerecht geworden.

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